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Biologische Biotoppflege und Naturschutz

Kulturlandschaftpflege und –entwicklung mit Tieren ist eine neue, junge Strategie im Naturschutz.

Wissenschaftlich untermauerte Erkenntnis ist, dass gut organisierte Extensivweideprojekte einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten können. Eigentlich führt eine extensive Beweidung immer zu einer signifikanten Erhöhung der Biodiversivität, das heißt der Artenvielfalt. Und meist profitieren sogar extrem selten gewordene Arten, die so genannten Rote-Liste Arten, besonders von den Weideeffekten. Dazu gehören die Verbreitung von Samen und Früchten durch die Weidetiere oder das Freilegen von offenen Bodenstellen, wo dann die Samen erst zum Keimen kommen können. Besonders wichtig ist der Kot der Weidetiere und dieser muss frei von Medikamenten sein. Dann entwickelt sich in den Exkrementen eine reiche Insektenwelt, von der wiederum viele Vogelarten profitieren.

Beweidung als Pflegmaßnahme kann nicht mit der Wiesenpflege, wie sie im Rahmen des Vertragsnaturschutzes durchgeführt wird verglichen werden. Nutztiere, verwilderte Nutztiere oder auch Wildtiere sind keine Kuschelobjekte. Ihre Haltung verlangt gründliches Wissen und Erfahrung im Umgang mit Tieren.

Rassen und Bestände

Aueroxen (Heckrinder)
Der Auerochse oder Ur ist eine ausgestorbene Art des Wildrindes und gilt als Stammvater des Hausrindes. Mit einer Kopfrumpflänge von über 3 m und einer Schulterhöhe von 1,75 bis1,88 m bei den Bullen und einem Gewicht von bis zu einer Tonne war der Auerochse bis in die Neuzeit das mächtigste Landtier Europas. Die Auerochsen lebten als tagaktive Tiere in offenen Wäldern und ernährten sich von Gräsern, Laub und Eicheln. Die kleinen Herden bestanden aus einem Bullen, einigen Kühen und zur Herde gehörigen Jungtieren. Das letzte bekannte Exemplar wurde 1627 von Wilderern im Wald von Jaktorow in Polen erlegt. In den 1920er Jahren versuchten die Zoodirektoren Heinz und Lutz Heck in Hellabrunn und in Berlin die Rückzüchtung des Auerochsen aus Hausrindern. Das daraus entstandene Heckrind (Aueroxe) ähnelt äußerlich bereits stark dem Auerochsen ist allerdings kleiner.

Der Tarpan – Europäisches Wildpferd
Das europäische Wildpferd ist im 19. Jahrhundert ausgestorben. Es war etwas größer als sein Verwandter (Przewalskipferd) in Asien und gilt als Vorfahre unserer Hauspferde. Wie der „Tarpan“ genau ausgesehen hat, wissen wir nicht, denn das mausgraue Pferd, das 1879 angeblich als letztes echtes Wildpferd getötet worden war, stellte sich bei genauer Untersuchung als Hauspferd heraus. Vor dem zweiten Weltkrieg waren in Polen Reservate eingerichtet worden, um „Koniks“ zu züchten, robuste Hauspferde, die dem „Tarpan“ ähnlich sehen sollen. Jedoch entstand nie wieder die Stehmähne in den Rückzüchtungslinien, obwohl anfangs auch Przewalskihengste eingekreuzt worden waren.

Wasserbüffel
Die Domestikation des Wasserbüffels begann ca. 4000 Jahre vor Christi auf dem indischen Subkontinent, wo es heute noch ca. 5 Mio. Wildbüffel gibt. Im 7. Jahrhundert nach Christus kamen die ersten Hauswasserbüffel nach Europa. Wasserbüffel sind sehr robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten, Klimaeinflüsse und Witterungsunbilden. Sie sind genügsam und anspruchslos in der Haltung und Fütterung. Auf Grund ihrer breiten Klauen und relativ weichen Fesseln können sie auch auf sumpfigem und feuchtem Weideland gehalten werden. Wegen dieser Voraussetzungen eigenen sich insbesondere für extensive Haltung und Landschaftspflege auf feuchten Grünland und Moorstandorten.

Auf den renaturierten Flächen können die Rückzüchtungen von Tarpan und Auerochse gemeinsam mit den Wasserbüffeln vor unseren Augen ihre Verhaltensweisen zeigen und ein kleines Stück ursprüngliche Spreeaue wieder neu entstehen lassen. Die Besatzstärke liegt bei 0,4 bis 0,6, maximal 1 Großtier je Hektar. Durch diese großen Pflanzenfresser sollen im begrenzten Umfang halboffene Weidelandschaften und lichte Wälder geschaffen werden.

Rinder und Pferde ergänzen sich in Ihrem Graseverhalten. Rinder selektieren anders und beanspruchen die Grasnarbe durch Verbiss und Tritt gleichmäßiger und wirken dadurch den negativen Folgen der selektiven Beweidung durch Pferde entgegen. Mischbeweidung verringert den Anteil des verschmähten Aufwuchses, weil die durch Exkremente der Pferde verursachten Geilstellen von den Rindern gefressen werden und umgekehrt. Wasserbüffel schaffen durch ihr Suhlen Vernässungsmulden, neue Lebensräume für Insekten und Amphibien.

Durch diese Pflege der Auenwiesen werden die Lebensbedingungen für die Amphibien und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brut von Wiesenbrütern verbessert. Bei uns sind das im Wesentlichen Wiesenpieper, Schafstelze und Braunkehlchen.

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